Kommentar zum SZ-Artikel vom 8.12.18

 

Liebe Kunstfreunde,
im Namen der Fuß – und Mundmalenden Künstler aus Deutschland ist es mir ein Anliegen, in diesem offenen Brief auf einen Artikel zu reagieren, der am 8.12.2018 in der Süddeutschen Zeitung veröffentlicht wurde. Es ist bitter, dass ausgerechnet eine renommierte Zeitung einen so einseitig und nicht nachvollziehbar recherchierten Artikel veröffentlicht, der einen direkten Angriff auf die Existenz und Lebensgrundlagen von mir und meiner Malerkollegen darstellt. Es beginnt mit der Überschrift „Das Geschäft mit dem Mitleid“. Hier wird suggeriert, dass die Kunden der VDMFK mit einer Mitleidsmasche dazu verführt werden, Ware zu kaufen und zu spenden. Kein Wort, dass unsere Bilder von hoher Qualität sind und unsere Kunden Karten kaufen, weil sie ihnen gefallen. Wenn ich am Weihnachtsmarkt ein Vogelhäuschen von der Lebenshilfe kaufe, mache ich es, weil mir das Produkt gefällt. Und wenn ich das Projekt dahinter gut finde, lege ich noch einen 10er dazu. Das hat nichts mit Mitleid zu tun. Wenn unsere Weihnachtskarten vor Weihnachten angeboten werden ist das normal, wann denn sonst? Dass unsere Maler mit Pinsel im Mund und zwischen den Zehen abgebildet werden, soll kein Mitleid erwecken, sondern den Menschen hinter den Kunstwerken ein Gesicht geben. Mit welchen Fotos sollen wir uns denn sonst vorstellen ? Wenn UNICEF für Unterstützung wirbt, sieht man auch große Kinderaugen. Das ist doch legitim. Was sollen sie denn sonst zeigen? Im Unterschied zu Wohltätigkeitsorganisationen, die gemeinnützig sind und ein Spendensiegel haben, wollen wir Mund- und Fußmaler keine Spenden sammeln, sondern unsere Kunstprodukte verkaufen, um damit ein finanziell unabhängiges Leben führen zu können. Kaum einer unserer Künstler könnte als Einzelperson von der Kunst leben. Daher sind wir mit über 50 Ländern und über 700 Künstlern weltweit zu einer Vereinigung zusammengeschlossen, um unsere Produkte zu vermarkten. Wir beauftragen über 40 Verlage auf allen Kontinenten, unsere Produkte zu vertreiben. Länder mit höheren Einnahmen unterstützen hierbei solidarisch Länder mit sehr geringen Einnahmen. So bekommt jeder Maler aus dem Topf regelmäßig sein Honorar, egal ob er aus Deutschland, Peru oder Taiwan kommt. Kann ein Maler z.B. aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr malen, wird er nicht fallen gelassen, sondern bekommt sein Honorar weiterhin, vergleichbar einer Rente. Übersteigen in einem guten Einnahmejahr die Einnahmen die Ausgaben für Honorare, werden Rücklagen für Jahre mit schlechteren Einnahmen zurückgestellt. So können stabile Honorare für die einzelnen Künstler garantiert werden.
Im SZ-Text werden negativ behaftete Begriffe wie Bettelbrief, Panama, Liechtenstein, ja sogar CDU-Spendenaffäre in Zusammenhang mit zwei ehemaligen Angestellten der VDMFK genannt. Herr Batliner und Herr Moosleitner waren Rechtskonsulent bzw. Geschäftsführer der VDMFK und haben die Vereinigung mit zu dem gemacht, was sie heute ist und leistet. Als hauptamtliche Angestellte wurden sie vom Vorstand der Vereinigung eingesetzt und natürlich bezahlt. Die VDMFK wurde von einem Mundmaler gegründet, alle Mitglieder sind Mund – oder Fußmaler und die Vorstandschaft wird demokratisch aus Reihen der Mitglieder auf regelmäßigen Vollversammlungen gewählt. Geschäftsführung und Vorstand sind gegenüber den Mitgliedern rechenschaftspflichtig. Daher werden in den Vollversammlungen alle Daten bezüglich Geschäftszahlen, Einnahmen und Ausgaben vorgelegt. 2015 war ich bei der letzten Vollversammlung in Wien selbst anwesend. Daher kann ich persönlich sicher sagen, dass ein Großteil der Einnahmen direkt bei den Künstlern in Form von Honoraren ankommt. Ein kleinerer Teil wird für die Arbeit der Verlage investiert, nur ein Bruchteil für Verwaltung und Hauptamtliche Mitarbeiter. Von meinem monatlichen Honorar zahle ich Umsatzsteuer, Einkommenssteuer, Krankenkasse, Rentenbeitrag, meine Miete, meinen Lebensunterhalt und mehrere Hundert Euro Eigenanteil an meiner Pflege. Zu behaupten von den Einnahmen gehe nur ein Bruchteil an die Künstler, entspricht einfach nicht der Wahrheit. In Zeiten von Email und Facebook ist das Postkartengeschäft rückläufig. Daher ist es gut, dass die Vereinigung rechtzeitig Rücklagen gebildet hat. Das diese Rücklagen bei Banken angelegt sind, ist normal. Herr Batliner ist das was ich als „Superreich“ bezeichnen würde. Er ist ein Kunstkenner und hat eine der größten Privatsammlungen in Europa. Als Freund und Weggefährte des VDMFK-Gründers Arnulf Stegmann hat er die Organisation mit aufgebaut. Seine Kanzlei hat viele internationale Kunden. Er hatte es wirklich nicht nötig sich an den Mundmalern zu bereichern. Das seine Anwaltskanzlei im Rahmen der CDU-Spendenaffäre auftaucht, hat mit der VDMFK nichts zu tun. Wenn einer meiner Helfer ein Konto bei der Deutschen Bank hat und eine italienische Automarke fährt, macht es ihn auch nicht gleich als Giftmüll handelnder Geldwäscher verdächtig.
Was mich am meisten ärgert ist die Herabwürdigung und Reduzierung unserer künstlerischen Arbeit auf das Mitleidsniveau. Das finde ich unfair und schwer diskriminierend. Mir fehlen da eigentlich die Worte. Wenn so etwas in einem rechten Käseblatt stehen würde, fände ich da noch eine Erklärung. Wenn so etwas in der Süddeutschen steht, ist das nur frustrierend. Wenn mal etwas in der Zeitung steht, ist es schwer dagegen anzugehen. Es ist uns wichtig, dass in der Öffentlichkeit kein falsches Bild über die VDMFK verbreitet wird. Wir behinderte Künstler wollen weiterhin qualitativ hochwertige Bilder anbieten, mit Anerkennung und Freude an unseren Produkten, ohne Mitleid oder sozialen Druck, unsere Produkte erstehen zu müssen. Damit stehen wir mit unserem Namen:

Markus Kostka

 

(Link zum SZ-Artikel  https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geschaeft-mitleid-1.4243331 )

Danke

Markus